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Urinbefunde: Epithelien  
 
 
Die Fragestellung 

Epithelien haben keinen Krankheitswert an sich, können aber bei der Lokalisation der Erkrankung hilfreich sein: falls Nierenepithelien nachweisbar sind, liegt eine tubuläre Erkrankung vor.

Das Problem liegt darin, dass Nierenepithelien nicht immer sicher zu identifizieren sind. 

 
Beschreibung der Epithelien 

Desquamierte (abgeschilferte) Epithelzellen unterschiedlicher Form und Zahl finden sich in jedem Urin. Sie werden nach Aussehen und Herkunftsort unterschieden.

Nierenepithelzellen  
(Tubuluszellen), ev. mit Einschlusskörperchen: sie stammen aus den Tubuli des Nierengewebes.

Nierenepithelzellen entsprechen den Zellen, welche die Nierentubuli auskleiden. Sie können mit Sicherheit nur dann erkannt werden, wenn der gleiche Zelltyp auch in Zylindern eingeschlossen im Sediment auftritt und die Zellen keine Leukozytenstruktur aufweisen. Treten die Zellen isoliert auf, dürfen sie nur  als Nierenepithelzellen bezeichnet werden, wenn es gelingt, in ihnen Lipidtropfen oder abnorme Speicherprodukte (Hämosiderin) nachzuweisen. 

Der Nachweis von Nierenepithelzellen weist auf tubuläre Schädigung hin.

Lipid-Zellen und Fettkörper. Lipidzellen sind fettig degenerierte Tubuluszellen, die im Zytoplasma Tropfen von sudanophilen und eventuell anisotropen Lipiden enthalten.

Übergangsepithelien 
(Epithelien der ableitenden Harnwege): Nierenbecken, Ureter, Harnblase und die ersten zwei Drittel der Harnröhre sind mit einem Übergangsepithel (Urothel) bedeckt.

Übergangsepithelien können verschiedenste Formen aufweisen, je nach dem Füllungszustand der Harnwege (Dehnung des Epithels) und der Schicht, aus der sie stammen. Handelt es sich um Zellen, die durch einen Fortsatz mit der Basalmembran verbunden sind, so sind sie meist "geschwänzt".

Bei einer Zystitis können oft massenhaft Übergangsepithelien im Urin auftreten, sie sind jedoch auch bei Gesunden in wechselnder Zahl vorhanden. 

Plattenepithelien 
Plattenepithelien sind erkennbar als grosse Zellen mit kleinem Kern. Sie stammen bei der Frau aus der Vagina, der Vulva und dem distalen Drittel der Urethra, beim Mann vom Präputium (Vorhaut) und dem distalen Drittel der Urethra. 

Sie sind diagnostisch bedeutungslos, sind jedoch ein nützlicher Indikator für eine ungenügende Entnahmetechnik bei der Urinsammlung.

Nierenepithelzellen können sehr oft nicht sicher identifiziert, bzw. von Übergangsepithelien abgegrenzt werden. Sie werden daher beim Befunden den sogenannten "runden Epithelien oder Rundepithelien" zugeordnet. 

Fettig degenerierte Tubuluszellen enthalten im Zytoplasma zahlreiche Lipideinschlüsse. Diese Zellen werden als Fettkörnchenzellen, Lipidzellen oder ovale Fettkörper bezeichnet.

Bei Tumoren der Harnblase, des Nierenbeckens oder des Ureters können im Urin Tumorzellen oder Tumorzellverbände auftreten. Bei Verdacht auf Tumorzellen ist eine zytologische Untersuchung des Urins angezeigt. Der häufigste Nierentumor ist das Nierenzellkarzinom.

 
Die Ergebnisse der verschiedenen Methoden 

Unmittelbare Untersuchung des Urins 
Kein Hinweis auf Epithelien möglich 

Der Urinstix 
Kein Hinweis auf Epithelien möglich

Mikroskopische Untersuchung des Urins 

  • Nierenepithelzellen und Lipidzellen  
    Nierenepithelzellen entsprechen den Zellen, welche die Nierentubuli auskleiden. Sie können mit Sicherheit nur dann erkannt werden, wenn der gleiche Zelltyp auch in Zylindern eingeschlossen im Sediment auftritt und die Zellen keine Leukozytenstruktur aufweisen. Treten die Zellen isoliert auf, dürfen sie nur  als Nierenepithelzellen bezeichnet werden, wenn es gelingt, in ihnen Lipidtropfen oder abnorme Speicherprodukte (Hämosiderin) nachzuweisen. 

    Der Nachweis von Nierenepithelzellen weist auf tubuläre Schädigung hin.

    Lipid-Zellen und Fettkörper. Lipidzellen sind fettig degenerierte Tubuluszellen, die im Zytoplasma Tropfen von sudanophilen und eventuell anisotropen Lipiden enthalten. 
     
  • Übergangsepithel-Zellen 
    alle Zellen aus den ableitenden Harnwegen: Nierenbecken, Harnleiter, Harnblase, Anfangsteil der Harnröhre. 

    Übergangsepithelien können verschiedenste Formen aufweisen, je nach dem Füllungszustand der Harnwege (Dehnung des Epithels) und der Schicht, aus der sie stammen. Handelt es sich um Zellen, die durch einen Fortsatz mit der Basalmembran verbunden sind, so sind sie meist "geschwänzt".

    Bei einer Zystitis können oft massenhaft Übergangsepithelien im Urin auftreten, sie sind jedoch auch bei Gesunden in wechselnder Zahl vorhanden. 
     
  • Plattenepithel-Zellen 
    stammen meistens aus der Urethra oder dem äusseren Genitale. Plattenepithel Zellen sind gut zu erkennen, da sie sehr gross, flach und rundlich-oval-mehreckig sind und im Verhältnis zum Zytoplasma einen sehr kleinen Kern haben.

    Das Vorkommen von Plattenepithel-Zellen ist medizinisch bedeutungslos.

Nierenepithelzellen können sehr oft nicht sicher identifiziert, bzw. von Übergangsepithelien abgegrenzt werden. Sie werden daher beim Befunden den sogenannten "runden Epithelien oder Rundepithelien" zugeordnet. 

Flowzytometrie 
Epithelzellen werden ohne Differenzierung im Streudiagramm II dargestellt. Bei positivem Befund müssen die Zellen im Mikroskop identifiziert werden. 

Pathologie 

Die diagnostische Bedeutung der Epithelien ist, mit Ausnahme der Nierenepithelien, eher gering.

Vereinzelte Plattenepithelien fehlen im Urin von Frauen nur selten und deuten auf Beimengungen aus Vagina oder Vulva.

Übergangsepithelien treten vermehrt auf bei entzündlichen Prozessen der ableitenden Harnwege, oft zusammen mit Leukozyten.

Das Auftreten von Nierenepithelien spricht für einen pathologischen Vorgang in den Nieren und erlaubt damit eine wichtige Aussage über den Ort des pathologischen Geschehens. Das Problem besteht darin, dass die Zellen nur sicher zu identifizieren sind, wenn in ihnen eine Fettspeicherung nachweisbar ist. Mit Vorsicht darf man auch auf Nierenepithelien schliessen, wenn im Sediment gleichzeitig Tubulusepithel-Zylinder nachweisbar sind.

Es ist deshalb zu empfehlen, mögliche Übergangsepithelien oder Nierenepithelien unter dem unverfänglichen Begriff der Rundzellen zusammenzufassen, es sei denn, man ist sich unter Verwendung der oben erwähnten Kriterien wirklich sicher.

 zu: Zylinder


21.11.2000 / hpk