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Eisenüberladung  
 
 
Bei der chronischen Eisenüberladung ist zu unterscheiden zwischen der Hämosiderose und der Hämochromatose. Zu bedenken ist, dass kein aktiver Ausscheidungsmechanismus existiert, so dass es bei einer Eisenüberladung nicht zu einer Steigerung der Eisenexkretion kommt.

 
Hämosiderose 
vermehrte Eisenablagerung in den Zellen, aber noch keine Gewebeschädigung. 

Idiopathische pulmonale Hämosiderose gehört zu den nicht-immunologisch bedingten alveolären Blutungen. 

 
Hämochromatose 
Die Hämochromatose kann verschiedene Organe/Gewebe betreffen und entsprechende Folgekrankheiten auslösen. 

  • Leber: Steatohepatitis, Leberzirrhose, 300-fach erhöhtes Risiko für ein Leberzellkarzinom
  • Pankreas: Diabetes mellitus, zusammen mit einer grau-braunen Pigmentation als Bronze-Diabetes bezeichnet. 
  • Herz: Herzinsuffizienz
  • Hypophyse: Gonadeninsuffizienz
  • Gelenke: Arthropathie

Ursachen der Hämochromatose 

Hereditär 

Sekundär, erworben 

  • Bluttransfusionen: 200 mg Eisen pro 500 mL Blut
  • Bluttransfusionen + gesteigerte Resorption z.B. bei Thalassämie, sideroblastische Anämien
  • Eisenüberangebot in der Nahrung
  • Alkohol: 
    • Wein ist eisenhaltig
    • Alkohol fördert die Eisenresorption
    • Alkohol hemmt den Eiseneinbau in die Erythrozyten

Diagnostik der Hämochromatose 

  • S-Eisen erhöht
  • Transferrin-Sättigung:
    • > 55% = verdächtig
    • > 80% = wahrscheinlich
    • Cave: bei Verminderung des Transferrins kommt es zu einer scheinbar hohen Transferrin-Sättigung
  • S-Ferritin > 400 mikrogramm/L 
    • Cave: Transferrin ist ein Protein der akuten Phase
  • Biopsie mit Eisenfärbung und Eisenbestimmung
    • Hereditäre Hämochromatose: Leberbiopsie
    • Erworbene Hämochromatose: Knochenmark
  • NAD: bei angeborenen Hämochromatosen

Therapie der Hämochromatose 

  • Aderlass: ein Aderlass von 500 mL entfernt ca. 200 mg Eisen
  • Bei sekundären Hämochromatosen können zusätzlich eisenbindende Chelate wie Deferoxamin (Desferal® ) eingesetzt werden. 

22.11.2000 / hpk